Musik in schwierigen Zeiten-Folge 137

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
Ballettmusik kam bisher nur selten in diesem Newsletter vor – heute soll sie zum Zuge kommen: Sehr oft war Leonard Bernstein als Dirigent schon mit Musikempfehlungen vertreten, heute soll sein erster großer Öffentlichkeitserfolg, der am 18. April 1944 in der alten Metropolitan Opera in New York in einer Choreographie von Jerome Robbins erstmals auf die Bühne kam, im Mittelpunkt stehen: Das Ballett „Fancy Free“.

Das Stück spielt während des Zweiten Weltkriegs in Amerika. Bevor der Vorhang aufgeht, hört man aus einer Jukebox den Blues „Big Stuff“, der im Original von Billie Holiday gesungen wurde. Schauplatz ist eine Bar in einer New Yorker Nebenstraße. Lautstark platzen drei Matrosen herein, die sich auf ihrem 24-stündigen Landurlaub in der Stadt nach ein paar Mädchen umsehen. Bernsteins Ballett errang einen solchen Erfolg, dass es prompt zum Broadway-Musical „On the Town“ ausgebaut wurde, das wenige Jahre später mit Gene Kelly und Frank Sinatra in den Hauptrollen auch das Kinopublikum begeisterte.

Trotz all seiner geistreichen Eleganz ist „Fancy Free“ ein beinahe sinfonisch konzipiertes Werk: Seine sieben Abschnitte verschmelzen zu einer kohärenten Einheit, alle sind durchdrungen sind von verschiedenen Aspekten des stürmischen Themas, mit dem das Ballett beginnt.

Wie so viele andere seiner Werke ist auch dieses Ballett eine Liebeserklärung an die Stadt New York, zu der Bernstein eine besondere Affinität empfand. 1986 wurde eine „Fancy Free“-Aufführung des New York City Ballets im Lincoln Center aufgezeichnet – 30 Minuten, die sich lohnen und hier zu sehen sind:
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler