Musik in schwierigen Zeiten-Folge 135

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
seine „Rhapsody in Blue“ zählt zu den populärsten Werken der 20. Jahrhunderts, aber wie sieht es eigentlich mit Musik für Klavier solo von George Gershwin aus? Heute stelle ich Ihnen gerne seine „Three Preludes“ vor.

Gershwin spielte sie erstmals öffentlich am 4. Dezember 1926 im Roosevelt Hotel in New York. Sie waren das etwas magere Resultat seines verwegenen Plans, 24 Klavierpräludien in allen Tonarten zu schreiben – nach dem Vorbild von Bach und Chopin. Sieben Präludien konnte der junge, im klassischen Metier noch wenig erfahrene Komponist vollenden, von denen er zwei für Violine und Klavier arrangierte („Short Story“), zwei andere vor der Veröffentlichung unterdrückte. So kam es zur Herausgabe von nur drei Präludien, die freilich von großer Wirkung waren – Nachklänge der „Rhapsody in Blue“, die Gershwin zwei Jahre zuvor aus der Taufe gehoben hatte. Gewidmet sind die „Three Preludes“ seinem langjährigen Freund und Kollegen William Daly.

Charleston, Blues und Foxtrott wechseln sich hier miteinander ab. Alle drei Stücke, die auch in zahllosen Bearbeitungen in verschiedenen Besetzungen existieren, spiegeln die Nähe zu Gershwins sinfonischen Kompositionen wider, die ebenfalls von kühnen Modulationen und erweiterter Harmonik in Form von Stilelementen des Jazz geprägt sind.
Auf der Suche nach einem Konzertmitschnitt bin ich auf einen polnischen Pianisten gestoßen, den ich mit diesen Stücken zunächst nicht in Verbindung gebracht hätte; seine Interpretation hat mich jedoch sofort überzeugt: Krystian Zimerman. Hier also Gershwins „Three Preludes“:
Und als Zugabe noch ein echtes Dokument – es ist immer spannend, wenn Komponisten als Interpreten ihrer eigenen Werke zu hören sind. Was gäbe man darum, wenn man Tonaufzeichnungen von Brahms, Mozart oder Bach hätte? Das alles war leider damals nicht möglich – von Gershwin existieren aber Aufnahmen eigener Werke. Hier kommt der Meister selbst mit den „Three Preludes“:
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler