Musik in schwierigen Zeiten-Folge 117

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
kurz vor Jahresende soll heute noch ein besonderer Konzertmitschnitt folgen: Das Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30 von Sergej Rachmaninow, das schon immer als Meilenstein einer jeden Pianisten-Karriere galt.

Der Komponist riegelte sich im Sommer 1909 vollkommen von der Außenwelt ab. Auf seinem Landgut Iwanowka in Zentralrussland arbeitete er an seinem dritten Klavierkonzert. Das Werk musste bald fertig sein, denn für den 28. November war die Uraufführung in der New Yorker Carnegie Hall angesetzt. Rachmaninow gelang die Fertigstellung auf die letzte Sekunde. Zur Üben blieb kaum Zeit, und so nutzte Rachmaninow die lange Atlantiküberfahrt nach New York, um den Solopart auf einer stummen Klaviatur zu üben.

Nicht von ungefähr wurde das dritte Klavierkonzert von Rachmaninow selbst mit dem Beinamen „Konzert für Elefanten“ versehen. Es stellt sehr hohe technische Anforderungen an den Pianisten. Laut Berechnungen ist es von allen großen Klavierkonzerten das mit den meisten Noten pro Sekunde im Klavierpart. Kein Wunder, dass Josef Hofmann, dem Rachmaninow sein Konzert gewidmet hatte, sein Lebtag das Konzert nicht angerührt hat. Er meinte, das Stück wäre zu schwer für ihn.

Mit einer wunderbar schlichten Melodie beginnt das Konzert. Die Musikwissenschaftler rätseln bis heute, ob es sich hier um ein Volkslied oder eine Nachbildung eines altrussischen liturgischen Gesangs handelt. „Es schrieb sich einfach von selbst!“ antwortete Rachmaninow ein wenig verärgert. „Ich wollte die Melodie auf dem Klavier singen, wie ein Sänger es täte. Das ist alles!“

Rachmaninows drittes Klavierkonzert ist vielleicht das letzte große romantische Klavierkonzert der Musikgeschichte. Hier herrscht das Klavier in der für ihn typischen improvisierenden Art über das Orchester. Doch erschöpft sich das Klavierwerk nicht in technischer Virtuosität, sondern versteht sich auch auf leise Töne, die gedeutet und erlebt werden müssen.

Am 26. September 1978 spielte der 75-jährige Vladimir Horowitz noch einmal dieses Konzert in der Avery Fisher Hall mit dem New York Philharmonic unter der Leitung von Zubin Mehta. Fünfzig Jahre zuvor hatte er in den USA sein Debüt gegeben, seine Aufnahmen von Rachmaninoffs Konzert aus den Jahren 1930 und 1951 sind legendär. Hier nun also der spannende Konzertmitschnitt:

https://www.youtube.com/watch?v=D5mxU_7BTRA

Ihnen allen einen schönen Tag zwischen den Jahren mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler