Musik in schwierigen Zeiten-Folge 110

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
heute möchte ich Ihnen ein Stück vorstellen, das ich 1985 durch Helmut Schmidt kennengelernt habe – Kaffeehausmusik der besonderen Art: Für die Einspielung der Konzerte für zwei, drei und vier Klaviere (bzw. Cembali), die anlässlich des 300. Geburtstags von Johann Sebastian Bach in Hamburg entstand, holten sich Justus Frantz, Christoph Eschenbach und Gerhard Oppitz noch den Alt-Bundeskanzler als prominenten Partner. Die Aufnahme verkauft sich bis heute sehr gut, hier der 1. Satz aus dem Konzert für vier Klaviere a-moll BWV 1065:
Das vollständige Konzert, das gerade einmal 10 Minuten dauert, ist eine Transkription eines Konzertes für vier Violinen von Antonio Vivaldi. Bachs Solokonzerte sind zum überwiegenden Teil für das Leipziger Collegium Musicum entstanden, eine Musikervereinigung, die Georg Philipp Telemann am Anfang des 18. Jahrhunderts während seiner Studienzeit in der Stadt ins Leben gerufen hatte. Die Arbeit mit dem Collegium Musicum und die gemeinsamen Auftritte, meist im Zimmermannschen Caffeehaus oder Caffeegarten, waren für den Thomaskantor willkommener Anlass, einmal ohne Geldstreitigkeiten oder Rangquerelen mit der kirchlichen und staatlichen Obrigkeit sich ausschließlich der Musik widmen zu können. Besonders die Konzerte für zwei, drei und vier Cembali sind Juwelen des spätbarocken Instrumentalkonzerts.
Wer nun glaubt, dass der Publicity-Coup aus dem Jahr 1985 nicht mehr zu toppen ist, wird im folgenden Link schnell vom Gegenteil überzeugt. Am 22. Juli 2002 feierte das Verbier Musikfestival in den Schweizer Alpen sein zehnjähriges Jubiläum. Für die Aufführung von Bachs Konzert für vier Klaviere und Orchester a-Moll BWV 1065 konnten nicht nur vier prominente Pianisten gewonnen werden, auch jedes einzelne Streichinstrument des Birthday Festival Orchestras ist prominent besetzt:
Klavier: Martha Argerich, Yevgeny Kissin, James Levine und Mikhail Pletnev

Violine: Renaud Capuçon, Sarah Chang, Ilya Gringolts, Gidon Kremer, Vadim Repin, Dimitry Sitkovetsky, Christian Tetzlaff, Nikolaj Znaider
Viola: Yuri Bashmet, Noboko Imai
Violoncello: Mischa Maisky, Boris Pergamenschikow
Kontrabass: Patrick de los Santos

Und fast noch mehr als der Mitschnitt würde mich die Honorabrechnung dieses Konzerts interessieren… 🙂
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler