Musik in schwierigen Zeiten-Folge 106

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
spricht man von der Klavierballade als sich eigenständig etablierende Instrumentalgattung des 19. Jahrhunderts, kommt man nicht daran vorbei, Frédéric Chopin mit seinen vier Balladen als Schlüsselfigur zu sehen. Seine Ballade Nr.1 g-Moll op. 23, die um 1835 entstand, ist das erste großangelegte Instrumentalstück, das diesen Titel trägt. Inspirationsquelle für Chopin dürften hier die literarischen Balladen („Litauische Balladen“) des polnischen Schriftstellers Adam Mickiewicz gewesen sein. Chopins Balladen sind in jedem Fall strukturell einzigartige Gebilde der Hochromantik, deren Kern der heroischen Legende oder Dichtung entnommen wurde.
Die Ballade Nr. 1 g-Moll op. 23 ist vom Charakter her äußerst dramatisch und energiegeladen, zwei kontrastierende musikalische Themen wechseln sich ständig ab.
Drei Pianisten stelle ich Ihnen heute mit diesem Werk vor, zunächst Jan Lisiecki, der es am 9. Juni 2020 im Rahmen des Klavierfestival Ruhr in der Essener Philharmonie musizierte:
Was auch immer der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes im Konzert spielt: Ein Besuch lohnt sich immer. Davon konnte ich mich zuletzt im November 2017 im Leipziger Gewandhaus überzeugen, als u. a. mir völlig unbekannte Sibelius-Klavierwerke auf dem Programm standen – den Schluss des Programms bildete Chopins Ballade:
Und zum Schluss noch ein Ausschnitt aus einem legendären TV-Konzert aus der New Yorker Carnegie Hall mit Vladimir Horowitz im Jahr 1968:

Passend zum heutigen Musikstück abschließend noch ein Buchtipp: „Play it again – Ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten“ von Alan Rusbridger. Inmitten von Medienkrise und WikiLeaks-Affäre bewahrte der damalige „Guardian“-Chef Alan Rusbridger die Nerven – und lernte die komplizierte Chopin-Ballade. Ein Gespräch mit dem Autor können Sie hier nachlesen:

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler