Musik in schwierigen Zeiten-Folge 104

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

erneut hat mich vor einigen Wochen der junge Trompeter Simon Höfele mit einer CD-Veröffentlichung begeistert. Mit nur 25 Jahren ist er Teil einer jungen Künstler-Generation, die sich dadurch auszeichnet, experimentierfreudig bekannt geglaubte Genre-Grenzen zu sprengen. Sein Faible ist die Analog-Fotografie, er engagiert sich in der Nachwuchsförderung und spielt Jazz ebenso gerne wie Klassik. Von 2017-2019 war er New Generation Artist des BBC Radio 3. Mit zwei Orchestern der BBC hat er das Album „Standards“ aufgenommen, das gewissermaßen als Erinnerung an diese Zeit dienen soll.

Neben den Klassikern seines Instruments, den Trompetenkonzerten von Joseph Haydn und Johann Nepomuk Hummel, sind mit Aaron Coplands „Quiet City“ und dem Trompetenkonzert As-Dur von Alexander Arutjunjan auch zwei Werke des 20. Jahrhunderts vertreten. Und um Arutjunjans Konzert soll es in dieser Ausgabe auch schwerpunktmäßig gehen:

Alexander Arutjunjan, der in seiner armenischen Heimat zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt, schrieb dieses farbenreiche, temperamentvolle Stück 1950 in Moskau für den Trompeten-Virtuosen Timofej Dokschizer. Es zeugt von Arutjunjans Fähigkeit, Elemente der armenischen Folklore mit westlichen Musiktraditionen, insbesondere dem Neoklassizismus und dem Barock, derart schlüssig zu verknüpfen, dass der Hörer sich von einprägsamen Motiven durch das Konzert und auch darüber hinaus tragen lassen kann. Dabei gelingt es ihm, das Soloinstrument ausgesprochen gekonnt in Szene zu setzen. Er starb 2012 im Alter von 91 Jahren. Neben Dmitri Schostakowitschs Konzert für Klavier, Trompete und Orchester op. 35 zählt Arutjunjans Beitrag zu diesem Genre zu den meistgespielten Trompetenkonzerten Russlands.

Bereits im Oktober 2017 spielt Simon Höfele dieses Stück mit dem Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Kahchun Wong:

https://www.youtube.com/watch?v=D8IjE1dz0u4

Dirigent der CD „Standards“ ist der junge Dirigent, Pianist und Komponist Duncan Ward (Jahrgang 1989). Er studierte am Royal Northern College of Music in Manchester. Auf Empfehlung von Sir Simon Rattle wurde er 2012 als erster Dirigent für zwei Jahre in die Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker aufgenommen. Dabei leitete er die Stipendiaten u. a. in einem Boulez-Programm und konnte weitere praktische Erfahrungen als Rattles Assistent sammeln. Seine Zusammenarbeit mit Musikern der Berliner Philharmoniker führte später zu Auftritten bei den Osterfestspielen Baden-Baden, beim Acht-Brücken-Festival in Köln und zum Projekt „Violins of Hope“, bei denen die Philharmoniker zum Holocaust-Gedenktag auf Instrumenten von Auschwitz-Opfern musizierten. Von ihm wird man in den kommenden Jahren sicherlich noch viel hören.

Abschließend als kleiner „Bonus“ noch ein paar Impressionen von der CD-Produktion:

https://www.youtube.com/watch?v=oRFddXnBFAE

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler