Musik in schwierigen Zeiten-Folge 92

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
die heutige Ausgabe soll wieder einmal einem Werk aus Frankreich gewidmet sein: Das Cellokonzert a-Moll op. 33 von Camille Saint-Saëns.

Saint-Saëns sei, so sagte der Schriftsteller Romain Rolland, ein Mann gewesen, „den keine Leidenschaften quälen“. Einer mit dunklem Teint und nervöser Disposition, feinen scharfen Gesichtszügen und klaren, wachen Augen. Angeblich hatte er eine bemerkenswert schrille und laute Stimme und sprach so schnell, dass es schwer fiel, ihm zu folgen. Er sei, so sagte Gabriel Fauré über Camille Saint-Saëns, sein ältester und liebster Freund und vor allem der „vollkommenste Musiker, den wir je hatten, vergleichbar mit den großen Meistern vergangener Tage. Sein unbegrenztes Wissen, seine wunderbare Technik, seine klare, erlesene Sensibilität, seine Integrität, die Vielfalt und erstaunliche Zahl seiner Werk – rechtfertigt dies alles nicht für ewige Zeiten seinen Anspruch auf Anerkennung?“ Das Cellokonzert mag da vielleicht die Antwort sein. Mit diesem Werk darf sich der Komponist für ewige Zeiten seiner Anerkennung sicher sein – es ist ein Paradestück für jeden Cellisten.

Saint-Saëns, das Wunderkind mit Mozart-ähnlicher Begabung, das mit 4 Jahren zu komponieren begann und mit 17 seine erste Sinfonie schrieb, komponierte sein erstes Cellokonzert 1872. In diesem Jahr mischte er in der Zeitschrift „La Renaissance litéraire et artistique“ unter seinem Pseudonym „Phémis“ an einer Feuilletonschlacht mit und setzte sich engagiert für französische Musik und ihre Komponisten ein. Seiner theoretischen-feuilletonistischen Forderung ließ er quasi klingende Taten folgen: Sein Cellokonzert für Auguste Tolbecque, den von der Société des Concerts du Conservatoire hochgeschätzten belgischen Cellisten, der Saint-Saëns‘ Konzert auch im Conservatoire uraufführte. Mit 37 Jahren war Saint-Saëns da längst im französischen Musik-Establishment angekommen.

Seinen Charme verströmt dieses zwar dreiteilige und doch einsätzige Werk bis heute, und Hörer wie Interpreten unterschreiben gerne Hans von Bülows Urteil, es sei voller „Technik und Eleganz, bon sens und Originalität, Logik und Anmut“.

Für das Konzert am 14. Februar 2020 in der Alten Oper Frankfurt hatte sich das hr-Sinfonieorchester französische Gäste eingeladen: Alain Altinoglu dirigierte und Solist in Saint-Saëns‘ Meisterwerk war Gautier Capuçon, hier zu sehen im folgenden Link:

 

https://www.youtube.com/watch?v=pfBkzWNQTpI

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus dem Urlaub
Matthias Wengler