Ermutigungswort zum 21. März 2021

Liebe Leserinnen, lieber Leser,
wer kennt sie nicht, diese wolkenverhangenen Tage, die keinen Sonnenstrahl durchlassen und das Gemüt schwer werden las-sen. Es ist schon lange her. Es war gegen Ende meiner Studen-tenzeit in Göttingen und ich befand mich in der Vorbereitung auf mein 1. Examen. Untergekommen war ich in einem kleinen Zimmer im Studentenwohnheim im Rosenbachweg, in dem ich die meiste Zeit mit dem Inhalieren des mannigfaltigen Lernstof-fes verbrachte. „Homeoffice“ mit kleinen Unterbrechungen, die man sehr genoss, war also angesagt. Da in diesem Wohnheim Studierende aller Studienbereiche untergebracht waren, kam es auch nur selten zum Austausch mit anderen, die sich auf das 1. Theologische Examen vorbereiteten. Und lernen musste ja jeder schließlich für sich selbst.

Während dieser Vorbereitungszeit kannte ich einige tief-schwarze wolkenverhangenen Tage, denn der Lernstoff ließ sich nicht einfach inhalieren. Er war immer wieder aus meinem Gedächtnis verschwunden, so, als hätte ich noch nie etwas da-von gehört. Derartige Erfahrungen kennen wir wahrscheinlich alle. Weshalb erzähle ich das?
Zu dieser Zeit hatte ich mir selbst einen kleinen illustrierten far-bigen Abreißkalender geschenkt, der nicht nur witzig war, son-dern mich auch aufheiterte. Er trug die Bezeichnung „Angeli-no“ und zeigte auf den monatlichen Blättern ein kleines putzig gezeichnetes farbiges Engelchen, das Freude ausstrahlte und mich – wenn immer ich mein Blick auf die Bilder richtete – im-mer wieder zum Schmunzeln brachte. Einige dieser Kalender-blätter haben all die Jahre seit meiner Studentenzeit überstan-den und liegen mir noch vor. Eines davon, das auch heute noch eingerahmt in meinem Büro hängt, möchte ich Ihnen hiermit „schenken“, auf dass es auch Ihnen zu gegebener Zeit neuen Mut geben, Sie aufrichten und vielleicht auch eine andere Sichtweise als die scheinbar offenkundige vermitteln möchte.

Zu sehen ist „Angelino“ malend auf einer kleinen Wolke unter einem Regenschirm sitzend – sich befindend inmitten eines fürchterlichen Unwetters. „Homeoffice“ würde man heute da-zu sagen. Angesichts der äußerst bedrohlichen Situation, an der man verzweifeln könnte, ist dem Engelchen aber keine depres-sive Stimmung anzumerken. Im Gegenteil. Zwar zeigt der tief-schwarze wolkenverhangene regnerische Himmel nur ein win-ziges Stück vom blauen Himmel, aber Angelino malt in den bun-testen Farben einen sonnigen Himmel mit lediglich einem klei-nen eher freundlich aussehenden hellen Wölkchen.

Sehr oft habe ich gerade dieses Kalenderblatt aus den 80er Jah-ren angeschaut. Hat es mir einst in der Zeit meiner Examens-vorbereitungen immer wieder Kraft gegeben durchzuhalten, so auch immer wieder bis in die heutige Zeit, wenn ich Aufmunte-rung aus welchen Gründen auch immer nötig hatte.

Bernhard Sieverling, Süpplingen

 

Tagesgebet nach EG 459
1. Die Sonn hoch an dem Himmel steht,
ihr Glanz über die Welt weit geht,
lasst uns auftun der Herzen Schrein,
auf dass drein leucht ihr heller Schein.
2. Die rechte Sonn ist Jesus Christ,
das Licht er zu dem Leben ist,
das er uns heute durch sein Wort
hell leuchten lässt an allem Ort.
3. Lasst wandeln uns in diesem Licht,
bei dem man auch im Finstern sieht;
ohne das Licht man hellen Tag
von finstrer Nacht nicht scheiden mag.
Text: Ambrosius Lobwasser 1579
Melodie: Johann Crüger 1640