Ermutigungswort für Sonntag, 4. April 2021

Der Morgen einer neuen Schöpfung!

Taufstein in der Kirche zu Schulenrode, Claudia Ahrens

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

7 Minuten. Das sind 420 Sekunden. In dieser Zeit kann viel passieren oder auch wenig. Sie kann schnell vergehen oder sehr langsam. Ich verbinde damit eher Wartezeiten. Wenn ich am Bahnhof jemanden abhole und die Durchsage ertönt: „Der Zug verspätet sich um ca. fünf Minuten,“ dann werden es meistens sieben. Komme ich an die Haltestelle, lese ich an der Informationstafel: M5 Broitzem 7 Min. Im Supermarkt an der Kasse warte ich immer gefühlte sieben Minuten. In 7 Minuten kann man aber auch einiges schaffen: ein kurzes Telefonat führen, eine Kurznachricht schreiben, E-Mails nachsehen oder Nachrichten lesen. In sieben Minuten trinke ich gerne einen Espresso an der Kaffeebar. Das war noch in einer anderen Zeit. Christoph trank eine Tasse Tee mit einem Freund. Das war nicht in einer anderen Zeit, sondern in dieser. Dann kam der Anruf vom Gesundheitsamt. Nach sieben Tagen musste er ins Krankenhaus. Nach weiteren sieben Tagen verstarb er.

In der alten christlichen Zahlensymbolik ist die Sieben die Zahl des Diesseits, die Zahl der Welt. Denn Gott hat an sieben Tagen, inklusive Ruhetag, die Welt geschaffen. Nach Johannes wirkt Jesus sieben Zeichen. Jesus sprach sieben letzte Worte am Kreuz und das Vaterunser besteht aus sieben Bitten. Die Sieben durchzieht die Offenbarung in verschiedensten Zusammenhängen. Die Zahl sieben setzt sich aus der göttlich-trinitarischen Drei und der irdischen, die vier Elemente der Welt darstellenden Vier zusammen. Daher ist die Sieben die Zahl der Vollständigkeit und der Vollendung. Christoph hat sein Leben vollendet, plötzlich, ohne Besuch, ohne eine letzte Umarmung, ohne Abschied. Das lässt uns traurig, fassungslos und erschüttert zurück.

Wir brauchen gerade in diesen Zeiten ein gutes, tröstendes Wort. Wir benötigen ein Wort, das aufrichtet und aufbaut, ein Wort, das Hoffnung schenkt, Mut macht und Kraft gibt, damit wir das Leben neu und anders gestalten können mit einem Blick dafür, wo meine Hilfe und Unterstützung gebraucht werden.

In dieser Zeit spricht mich ein Wort des Apostels Paulus besonders an: „Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. … Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“ (Römer 6,3-4.8). Dies wird uns in der Osternacht zugesprochen, wenn wir im Dunkeln ausharren, auf das neue Licht warten und uns nach dem Morgenstern sehnen. Christus lebt, er ist durch die Nacht hindurch ins Licht gegangen, vom Tod zum Leben. Er ist auferstanden.

Daran erinnert Paulus uns. Vergesst nicht unsere christliche Hoffnung, dass der Tod, dass Krankheit und Schmerz überwunden sind. Christus ist auferstanden, er lebt. Die Nacht des Todes verwandelt sich in das Licht des Lebens, auf Leid folgt Freude, und Trauer wird zu neuer Hoffnung. Ein neuer Morgen bricht an. Eine neue Woche beginnt am achten Tag, es ist der Tag der Auferstehung und des Lichtes. Am Tag nach dem Sabbat, dem Ruhetag der ersten Schöpfung, ist Christus auferstanden. Es ist der Sonntag. Dadurch wurde er zu dem Tag, an dem die Christen zusammenkommen und Gottesdienst, die Auferstehung und das Leben feiern. Darum sind viele Taufbecken achteckig gestaltet. So erinnern sie uns daran, dass wir an der Auferstehung, an Gottes neuer Schöpfung, an seinem Reich Anteil haben werden. So wird die Acht zur Zahl des Lebens und des Neuanfangs. Acht Menschen rettet Gott in der Arche. Jesus spricht uns Menschen acht Seligpreisungen für ein anderes Leben in Gottes neuer Welt zu. Das schenkt mir Hoffnung. Darauf will ich vertrauen.

In dieser trüben Zeit können wir uns aufgehoben wissen im Leiden und Sterben Christi. Wir können unsere Verstorbenen der Gnade Gottes anbefehlen. Aber wir dürfen auch auf Hoffnung hin leben, denn Christus lebt. „Siehe ich mache alles neu!“ (Offb 21,5) Amen!

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest! Bleiben Sie behütet!

Herzlichst Ihr Ulf Stoischek
Pfarrer in Schandelah, Veltheim, Gardessen und Schulenrode