„Bach appassionato“ zum Sonntag Reminiscere am 28. Februar 2020

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kirchenmusik,
herzlichen Dank für alle positiven Rückmeldungen zur neuen Reihe „Bach appassionato“. Zum Sonntag Reminiscere („Gedenke“) am 28. Februar möchte ich Ihnen die Bach-Kantate „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ BWV 157 vorstellen.
Bei dieser Kantate handelt es sich um den ersten Teil der in einem Gedächtnisgottesdienst am 6. Februar 1727 dargebotenen Trauermusik für den bereits 1726 verstorbenen Kammerherrn und Hofrat Johann Christoph von Ponickau. Die Musik hatte noch einen zweiten Teil nach der Predigt, dessen Text nicht von Picander, sondern von Georg Christian Lehms stammt; diese Komposition ist jedoch nicht erhalten. Bach hat diese Kantate wahrscheinlich später auch selbst am Fest Mariae Reinigung wieder aufgeführt – was leicht möglich ist, berichtet doch die Evangelienlesung dieses Tages vom greisen Simeon die Worte: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.“
Da die spätere Fassung nur in einer Abschrift des Thomanerpräfekten Penzel von 1755/56 überliefert ist, bleiben hinsichtlich der Werk­chronologie und Instrumentierung sowie des Anteils Bachs an der Umarbeitung Fragen offen. Die Besetzungsverhältnisse dieser Kantate tragen offenbar den besonderen Umständen ihrer Entstehungsgeschichte Rechnung. Den Abschluss der Kantate bildet die letzte Strophe des Liedes „Meinem Jesum lass ich nicht“, das Christian Keymann 1658 komponiert hat. Bach vertont diesen Satz als schlichten, dennoch stärker als gewöhnlich polyphon aufgelockerten Chorsatz, als Vokalsolisten sind lediglich Tenor und Bass beteiligt, die mit einem Duett die Kantate eröffnen.
Unser heutiger Mitschnitt kommt aus der Schweiz: Die J.S.Bach-Stiftung St. Gallen führt innerhalb von rund 25 Jahren das gesamte Vokalwerk des Leipziger Thomaskantors auf. Die erste Kantatenaufführung fand 2006 statt, musikalischer Spiritus rector dieses Projekts ist der international renommierte Pianist, Organist, Cembalist, Komponist, Dirigent und Improvisator Rudolf Lutz. Alle Werkeinführungen, Konzerte und Reflexionen werden in Ton und Bild festgehalten. In den vergangenen 15 Jahren ist bereits ein großer Fundus an Film- und Audiomaterial sowie ergänzenden Inhalten zu den Vokalwerken entstanden. Stiftungsziel ist unter anderem, das Bachsche Vokalwerk zu verbreiten und insbesondere der Jugend weiterzugeben. Aus diesem Grund hat die J.S.Bach-Stiftung Bachipedia ins Leben gerufen.
Aus dem Konzert vom 18. November 2016 sehen Sie nun diese Kantate aus der evangelischen Kirche Trogen. Es musizieren Georg Poplutz (Tenor), Stephan MacLeod (Bass) sowie Chor und Orchester der J.S.Bach-Stiftung unter der Leitung von Rudolf Lutz:
www.bachipedia.org/werke/bwv-157-ich-lasse-dich-nicht-du-segnest-mich-denn/
Ihnen allen einen schönen Sonntag mit herzlichen Urlaubsgrüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler