Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 16

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
bestimmt kennen Sie alle das Spiel „Die Reise nach Jerusalem“ – aber kennen Sie auch „Die Reise nach Reims“? Ein Buch des ehemaligen Wiener Staatsoperndirektors Claus Helmut Drese („Im Palast der Gefühle“) ist Schuld daran, dass ich in den letzten Tagen mehrfach an dieses Werk erinnert wurde. Ihm ist es zu verdanken, dass Claudio Abbado 1986 Musikdirektor der Wiener Staatsoper wurde. Einer der größten Erfolge in Abbados Wiener Zeit, die 1991 endete, war Rossinis Oper „Il viaggio a Reims“.

Das Werk entstand 1825 im Auftrag der Feierlichkeiten zur Krönung Karls X von Frankreich. Nach der Uraufführung gab es nur drei weitere öffentliche Vorstellungen; das Stück wurde erst 1984 durch Claudio Abbado in Wien wiederentdeckt. Rossinis überdimensionierter Einakter – „Il viaggio a Reims“ dauert fast so lange wie Wagners „Rheingold“ und hat ebenfalls keine Pause – ist nur selten auf der Opernbühne zu erleben und fordert eine illustre Besetzung mit vierzehn(!) hervorragenden Sängern. Wenn man diese zur Verfügung hat, macht „Il viaggio a Reims“ schlichtweg höllischen Spaß und zweieinhalb Stunden vergehen wie im Fluge…
Zu meiner großen Überraschung habe ich vor ein paar Tagen Ausschnitte einer konzertanten Aufführung, die Abbado 1992 mit den Berliner Philharmonikern in der Philharmonie leitete und als CD veröffentlich wurde, bei youtube entdeckt – es singen u. a. Cheryl Studer, Lucia Valentini Terrani, Luciana Serra, Sylvia McNair, William Matteuzzi, Raul Gimenez, Lucio Gallo, Ruggero Raimondi, Samuel Ramey, Enzo Dara und der Rundfunkchor Berlin.
Sehr oft gab es bei den von Abbado geleiteten Aufführungen eine Zugabe, die alleine schon zeigt, wie mitreißend dieses Werk ist:

 

Wenn Sie das Werk komplett erleben möchten: Der ORF hat eine Aufführung der Wiener Staatsoper mitgeschnitten – viele Solisten sind mit der Berliner Aufführung identisch, die Partie von Cheryl Studer wurde 1988 noch von Montserrat Caballé gesungen.
Die Handlung ist schnell erzählt und eher nebensächlich: Eine europäisch bunt gewürfelte Gesellschaft von Festgästen, die sich auf der Reise zu den Krönungsfeierlichkeiten Karls X. befindet, macht Station im Badehotel „Zur Goldenen Lilie“ in Plombières. Hier bleiben die Herrschaften allerdings hängen, da keine Pferde für die weitere Reise nach Reims zur Verfügung stehen; so beschließt man, die Zeit für eine große Party zu nutzen mit nationalen Selbstdarstellungen der Gäste, mit kleinen Amouren und zwischenmenschlichen Reibereien. Das Werk endet mit einer großen Lobeshymne auf Karl X.
Ihnen allen einen schönen Sonntag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler

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